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Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat am 18. Mai 2020 die 66 unabhängigen Verlage bekanntgegeben, die mit dem Deutschen Verlagspreis 2020 ausgezeichnet werden.
Anlässlich der Auszeichnung des Brandes & Apsel Verlags hat hr2-kultur

 

Neue Toptitel aus unserem aktuellen Programm 

 

Religion und Philosophie

Thomas von Freyberg

Dein Reich komme!

Doch was bleibt, nachdem es ausblieb?

Thomas von Freyberg ist ein faszinierendes Spätwerk gelungen. In einem fulminanten Bogen untersucht er das jüdische und christliche Heilsversprechen bis in seine säkulären philosophischen Verästelungen in der Gegenwart. Er interpretiert dabei einen Jahrtausende alten
theologischen und philosophischen Diskurs, der gerade heute unter der Bedingung globaler Krisen in unserer Kultur und
Gesellschaft neue Dringlichkeit gewonnen hat: die Utopie von einer gerechten Gesellschaft der Gleichen und Freien. Diese Utopie von einer gerechten Gesellschaft der Gleichen und Freien tauchte bei den Propheten Israels im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. auf und erklärte dort die drohende Katastrophe der beiden Königreiche Israel und Juda als Gericht Gottes. Im babylonischen Exil wurde diese Utopie zur großen Verheißung des alleinigen und einzigen Gottes der Welt für Israel und alle Völker. Festgehalten in der Heiligen Schrift lebte die große
Verheißung weiter. Als Hoffnung, Sehnsucht und Bitte: Dein Reich komme! Und als Verzweiflung, Elend und Stachel: Was bleibt, nachdem es ausblieb? Es ist vor allem diese Frage, die die Arbeit Freybergs weit über die ursprünglich konzipierten Grenzen hinaustrieb: über Luther zu den großen Aufklärern Spinoza, Lessing und Kant und schließlich zur Dialektik der Aufklärung Adornos und Horkheimers bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts.

 

Entwicklungspolitik

Katja Maurer / Andrea Pollmeier

Haitianische Renaissance

Der lange Kampf um postkoloniale Emanzipation

Jede Idee von einer postkolonialen Ordnung nimmt in Haiti ihren Ausgangspunkt. Indem Sklavinnen und Sklaven die Werte der Französischen Revolution auch für sich selbst durchsetzten und eine unabhängige Republik gründeten, hat die haitianische Revolution 1804 ein neues Kapitel in der Universalgeschichte aufgeschlagen. Die Ziele dieser Revolution sind bis heute unhintergehbar, werden in der Praxis jedoch systematisch verletzt. Die politischen Konflikte in Haiti werfen heute bei aller Unterschiedlichkeit dieselben Fragen auf, die auch seit dem ägyptischen Aufstand auf dem Tahrir-Platz 2011 zur Debatte stehen: Die nach einem Leben in Würde für alle, in dem Anerkennung eines jeden eine Frage von sozialer Sicherheit, aber auch von demokratischer Teilhabe ist.
Das Buch beschäftigt sich mit den Folgen internationaler Hilfsbemühungen, der Rolle der UNO und der internationalen Gebergemeinschaft sowie der strukturellen Gewalt, der ein Großteil der Bevölkerung kontinuierlich unterliegt.
Die Autorinnen geben der haitianischen Perspektive in Interviews, Essays und Hintergrundberichten Raum und kommen so nicht nur den Gründen für das vielfältige Scheitern von Selbstbefreiung auf die Spur, sondern zeigen auch den Zukunftshorizont eines würdigen Lebens auf. An Beispielen konkreten zivilgesellschaftlichen Engagements wird neben den krisenhaften Betrachtungen erkennbar, von welchen Kräften ein positiver Wandel ausgehen könnte.