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Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie
Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (KJP) 178, 2/2018
Sexuelle Identitäten
Mit Beiträgen von Sophinette Becker, Mathias Hirsch, Helga Krüger-Kirn, Ulrich A. Müller, Hertha Richter-Appelt, Inge Seiffge-Krenke und Cornelia Thürheimer
1. Auflage
172 S., Pb., 
22,90 €
Lieferbar

Inhalt

Vorwort

Sophinette Becker
Geschlecht und sexuelle Orientierung in Auflösung – was bleibt?

Mathias Hirsch
Schuld der Mütter? Und die Väter? - Zur transgenerationalen Dynamik der sexuellen Perversion

Ulrich A. Müller
Ist die Wahrheit nackt? - Das polymorph perverse Kind als Herausforderung für Kultur und Klinik

Helga Krüger-Kirn
Mama, wann darf ich heiraten? - Über sexuelles Begehren zwischen Vielfalt und Normativität
 
Hertha Richter-Appelt
Nichts ist, wie es einmal war. Neue Ansätze in der Behandlung von Personen mit Geschlechtsdysphorie

Inge Seiffge-Krenke
Bisexuelles Schwanken und homoerotische Bestrebungen bei Mädchen

Cornelia Thürheimer
Dark Star. Anmerkungen zur Transsexualität
 
 
E-Books zu diesem Titel:

Sexuelle Identitäten Format: pdf
Preis: 18,50 €
Gesamtheft (KJP 178, E-Journal)

Sophinette Becker, Geschlecht und sexuelle Orientierung in Auflösung – was bleibt? Format: pdf
Preis: 5,90 €
Die Grenzen zwischen den Geschlechtern werden flexibler, die Trennschärfe zwischen den sexuellen Orientierungen nimmt ab. Viele alte Gewissheiten in Bezug auf Geschlecht (Weiblichkeit/Männlichkeit) und sexuelle Orientierung (hetero, homo, bi?) sind ins Wanken geraten – und existieren gleichzeitig fort. Derzeit findet einerseits eine machtvolle Re-Biologisierung des Diskurses über Geschlecht und sexuelle Orientierung statt, andererseits gilt Geschlecht als konstruiert und beliebig veränderbar. Es scheint unklarer denn je, was weiblich und was männlich ist – auch in der Psychoanalyse. Auf diesem Hintergrund soll den Fragen nachgegangen werden, was Geschlecht und sexuelle Orientierung in der heutigen Zeit bedeuten und welche psychoanalytischen Konzeptionen dabei hilfreich sind.


Mathias Hirsch, Schuld der Mütter? Und die Väter? - Zur transgenerationalen Dynamik der sexuellen Perversion Format: pdf
Preis: 5,90 €
Lehnt eine Mutter das Geschlecht ihrer Tochter ab, kann diese ein sexuell perverses Agieren (Selbstbeschädigung, Essstörungen) gegen den eigenen Körper richten. Sie reinszeniert die traumatische Situation karikaturhaft, um sie – ähnlich einem Übergangsobjekt – selbst erschaffend zu bewältigen. Hat sie einen Sohn, wird sie ihn bzw. sein Geschlecht idolisierend vereinnahmen, seinen Penis verwalten, um ihr Identitätsdefizit aufzufüllen. Der Sohn wird schwanken zwischen Grandiosität (Fusion mit der Mutter) und Entwertung (von ihr aggressiv zurückgestoßen, denn nie wird er die Not der Mutter wirklich lindern). Das (transgenerationale) Resultat: Er wird wiederum zum Missbrauchstäter (Inzestvater) oder greift zur Abwehrformation der sexuellen (Borderline-) Perversion, mit der er die ursprüngliche sexualisierte Gewalt zu bewältigen sucht.

Helga Krüger-Kirn, Mama, wann darf ich heiraten? - Über sexuelles Begehren zwischen Vielfalt und Normativität Format: pdf
Preis: 5,90 €
Die Entdeckung der eigenen Sexualität und Geschlechterdifferenz ist ohne Beschäftigung mit dem eigenen Körper und Begehren nicht zu denken. Beispielhaft an einer Fallvignette und einem Dialog zwischen Mutter und ihrem fünfjährigem Kind über die Frage, wann und wen es heiraten darf, werde ich in meinem Aufsatz entlang Freuds Konzept des Sexuellen und der Theorie der rätselhaften Botschaften von Laplanche nachvollzeichnen, wie Sexualität und Geschlecht mimetisch und intersubjektiv angeeignet werden. Daran schließen Überlegungen über psychoanalytische Konzepte der ödipalen Geschlechterdifferenz und der Bisexualität an sowie Fragen, ob diese heute für das Verstehen von sexuellen Identitäten noch hilfreich sind.

Ulrich A. Müller, Ist die Wahrheit nackt? - Das polymorph perverse Kind als Herausforderung für Kultur und Klinik Format: pdf
Preis: 5,90 €
In seinen Überlegungen zur polymorph perversen Veranlagung des Kindes schreibt Freud von der »Schamlosigkeit« des Kindes, das »in gewissen frühen Jahren ein unzweideutiges Vergnügen an der Entblößung seines Körpers mit besonderer Hervorhebung der Geschlechtsteile« zeige. Dieses Phänomen wurde historisch immer wieder unter extrem wechselnden Gesichtspunkten gedeutet: Mal als Ausdruck der kindlichen Unschuld, mal als Hinweis auf die perversen Lüste des Kindes, die durch unterschiedliche Techniken zu bändigen seien. Kindsein und Nacktheit bildeten in der Pädagogik ebenso wie in den ikonographischen Darstellungen der Kunstgeschichte einen aufschlussreichen Zusammenhang, der stets heftige Widersprüche hervorrief.
In der klinischen Arbeit mit Kindern stellen diese »verführerischen Kinder« insofern eine Herausforderung dar, als sie gleichsam ihre ungezwungene Triebhaftigkeit offen zeigen, damit aber auch die offene Wunde offenbaren, die sie für die Welt der Erwachsenen darstellen. Das Kind drückt seinen Wunsch nach Beziehung aus, der von dem Erwachsenen ernst genommen werden muss, wie doch dieser Wunsch in seiner Realisierung gleichsam unbeantwortet bleiben muss. Der lustvolle Wunsch des Kindes bleibt eine Provokation, auf die sowohl die Kultur wie auch die Pädagogik und die Psychotherapie zu reagieren haben, weil das Kind begleitet werden sollte.
Der Beitrag bemüht sich darum, die polymorph perversen Triebwünsche des Kindes wie auch seine beziehungsreiche Beantwortung durch die Welt der Erwachsenen nicht vorschnell einem klinischen oder kulturkritischen Urteil zu unterziehen.

Hertha Richter-Appelt, Nichts ist, wie es einmal war Neue Ansätze in der Behandlung von Personen mit Geschlechtsdysphorie Format: pdf
Preis: 5,90 €
Mit Beginn dieses Jahrhunderts ist eine grundlegende und breitere Diskussion aufgekommen, die die starre Binarität und Ausschließlichkeit von Geschlecht sowohl im körperlichen wie im psychischen und sozialen Bereich in Frage stellt. Gesellschaftliche Auffassungen und medizinische Behandlungsmaßnahmen wurden kritisch überdacht v. a. unter dem Gesichtspunkt, dass die Vielfalt menschlicher Körper, aber auch von Erleben und Verhaltensweisen größere Berücksichtigung finden müssten. Sowohl das Anwenden als auch das Unterlassen medizinischer Behandlungen im Umgang mit Inter- und Transgeschlechtlichkeit haben sich als möglicherweise traumatisierend herausgestellt. Neue Forderungen nach Antidiskriminierung und Beachtung von Menschenrechten und der Kinderrechtskonvention wurden von Betroffenenverbänden vehement vorgebracht und zwangen selbst politische Institutionen, sich endlich auch mit  Normvarianten menschlicher Geschlechtlichkeit zu beschäftigen. Diese Diskussion hat auch den Sprachgebrauch verändert, sodass nun nicht mehr von Transsexualität, sondern Geschlechtsinkongruenz und -dysphorie gesprochen wird und statt von Intersexualität von Varianten der Geschlechtsentwicklung.

Inge Seiffge-Krenke, Bisexuelles Schwanken und homoerotische Bestrebungen bei Mädchen1 Format: pdf
Preis: 5,90 €
In der psychoanalytischen Theorienbildung wurden bisexuelle Komponenten der weiblichen Sexualität schon früh formuliert, haben aber in den Folgejahren wenig Beachtung gefunden. Der Beitrag zeigt anhand von Fallbeispielen, literarischen Beispielen und Tagebuchaufzeichnungen auf, dass Bisexualität und homoerotische Bestrebungen sowohl in der Mutter-Tochter-Beziehung als auch in den Beziehungen zu den Freundinnen bei Mädchen sehr prominent sind. Als Ursachen für die starke Bisexualität junger Mädchen werden die Gleichgeschlechtlichkeit von Mutter und Tochter, die Doppelidentifikation mit beiden Eltern, spezifische Ängste, die mit dem Vater verknüpft sind, sowie die Realisierung des vollständigen Ödipuskomplexes herausgearbeitet.

Cornelia Thürheimer, Dark Star. Anmerkungen zur Transsexualität Format: pdf
Preis: 5,90 €
Ein Großteil der klassischen Theorien weiblicher Entwicklung ist auch heute noch häufig eine bloße Widerspiegelung der Anpassung an kulturelle Geschlechternormen, der Unterwerfung unter die biologischen Anforderungen. Das pure Annehmen biologischer Realitäten verhindert aber nicht das Überschreiten dieser Realität in der Phantasie und im Spiel.
Der Schwerpunkt moderner psychoanalytischer Theorien der Geschlechtsidentität hingegen liegt nun mehr auf dem Symbolischen und dem Besonderen – gegenüber generischen, biologischen Gegebenheiten –, also befreit von Entweder-oder-Dichotomien. Die Geschlechtsidentität ist in diesem Sinne sowohl als psychologische Erfahrung als auch als kulturelle Kategorie grundsätzlich und paradoxerweise unbestimmt. Sie ist eine in sich vielfältige Erfahrung.
Anhand von zwei Fallbeispielen aus langen Jugendlichenanalysen soll ein vertieftes Verständnis vielfacher Geschlechtsidentitäten und des verkörperten Selbst möglich werden. Die erste Falldarstellung zeigt eine unumgängliche – Frau zu Mann – Geschlechtsangleichung mit all den damit verbundenen Problemen auf. Es geht dabei um die Achtung und das Annehmen dieser erkämpften, behaupteten Transidentität durch andere.
Die zweite Falldarstellung stellt dann eine homosexuelle Entwicklung aufgrund einer Art »magischer Identifizierung« im Übertragungsgeschehen dar. Diese Art der Identifizierung stellt eine besondere psychische Form dar, das Objekt zu bewahren und die Identifizierung als weiblich geschlechtlicher Körper nicht mehr als eine Botschaft des Todes zu fürchten. Eine Frau-zu-Mann-Geschlechtsangleichung war für diese Patientin nicht mehr notwendig, um ein Identitätsgefühl im eigenen Ort ihres Körpers spüren zu können. Jedoch geht die Identifizierung als weiblich geschlechtlicher Körper über eine Privilegierung normativer, heterosexueller Genitalität hinaus und schließt eine Reihe prägenitaler, polymorpher Sinnlichkeit mit ein.

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