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Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (AKJP) 133, 1/2007
Emotionale Entwicklung und neurobiologische Grundlagen
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 133
Mit Beiträgen von Dietmar Borowski, Viviane Green, Hans Hopf, Thomas Hüller, Monika Lück, Jörg Rasche, Gerhard Roth, Gisela Wiegand
1. Aufl. 2007
136 S., Pb.
19,90 €
Lieferbar

 

Inhalt


Jörg Rasche
Mutter – Kind – Musik
Psychoanalytische Deutung von Robert Schumanns Kinderszenen op.15

Viviane Green
Was können die Neurowissenschaften den Kindertherapeuten anbieten?
Einige Probleme und Möglichkeiten

Monika Lück / Gerhard Roth
Frühkindliche emotionale Entwicklung und ihre neuronalen Grundlagen

Dietmar Borowski / Hans Hopf / Thomas Hüller
Leitlinien Angst



Abstracts


Jörg Rasche
Mutter – Kind – Musik
Psychoanalytische Deutung von Robert Schumanns Kinderszenen op. 15

Die Kinderszenen von Robert Schumann sind nicht nur schöne Musik, sondern zeigen in erstaunlicher Präzision einen psychologischen Ablauf. Es geht um die frühe Interaktion von Mutter und Kind, um Geborgenheit und den Wunsch nach Autonomie, um die Zyklen von Loslösung, Übung und Wiederannäherung. Schumann hat dieses Geschehen intuitiv erfasst und musikalisch gestaltet. Damit vermitteln diese Stücke auch etwas über das Wirken von Musik allgemein: als eine Stimme der Natur und der Bezogenheit in uns.


Viviane Green
Was können die Neurowissenschaften den Kindertherapeuten anbieten?
Einige Probleme und Möglichkeiten

Das Thema der emotionalen Entwicklung steht auf der wissenschaftlichen Tagesordnung und trifft hier auf das langwährende psychoanalytische Interesse an der Bedeutung der frühen Objektbeziehung. Viele Verbindungen müssen noch geschaffen werden, aber zur Zeit kann nur in Richtung auf eine Integration verschiedener Ansätze gearbeitet werden. Einige Schwierigkeiten, verschiedene Modelle zu integrieren und Möglichkeiten, Verbindungen zu schaffen, werden aufgezeigt. Die neueren Ergebnisse der biologischen Wissenschaften legen ein breiteres Modell der Psyche nahe, das verschiedene Ansätze einschließt, um der Komplexität des Gegenstandes gerecht zu werden. Eine biologische Annäherung ist auch in der Lage, die Hoffnung auf Veränderung und Plastizität zu untermauern, doch muss auch anerkannt werden, dass frühe »Schädigung« die Möglichkeit auf Veränderung gefährden kann.
Die Arbeit betont die Wichtigkeit der Erkenntnis, dass »es die menschliche Verbindung ist, welche die neuronalen Verbindungen schafft, aus denen die Psyche entsteht« (Seigal 1999). Neurowissenschaftliche Ergebnisse, wie sie von Schore und aus der psychotherapeutisch-entwicklungsfördernden Arbeit mit Kindern zusammengefasst werden, betonen spezifische Merkmale, welche Ausdruck sind für gelungene oder missglückte emotionale Entwicklung. Gefühlsmäßige Fehlregulation, Angstzustände und dissoziative Erscheinungen werden im Kontext der klinischen Darstellung anhand einiger Vignetten diskutiert und mit Vorschlägen für die technischen Konsequenzen verbunden.


Monika Lück / Gerhard Roth
Frühkindliche emotionale Entwicklung und ihre neuronalen Grundlagen

Grundlage des Psychischen und der Emotionen ist das limbische System. Es entwickelt sich im menschlichen Gehirn sehr früh, teilweise schon weit vor der Geburt. Zentren wie die Amygdala und der Nucleus accumbens registrieren alle negativen und positiven Einflüsse und speichern sie – meist unbewusst – im emotionalen Erfahrungsgedächtnis ab. Dies geschieht parallel zu einer stürmischen Hirnentwicklung, die über die Geburt hinaus bis in das vierte/fünfte Lebensjahr andauert und dann langsam bis zum 20. Lebensjahr abnimmt. Entsprechend ist das Gehirn vor der Geburt und in den ersten Jahren danach äußerst empfänglich für positive und insbesondere auch negative, traumatisierende Geschehnisse wie mütterlicher Stress, negative Bindungserfahrung, Vernachlässigung und Missbrauch, die sich im Gehirn anatomisch und physiologisch niederschlagen. Das Serotonin-System als »zentrales Beruhigungssystem des Gehirns« spielt hierbei genauso wie das Stress-System eine kritische Rolle. Die Ausreifung der bewusstseinsfähigen Großhirnrinde und die Ausbildung des autobiographisch-deklarativen Gedächtnisses können frühe Fehlentwicklungen nur teilweise kompensieren.

 

 
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