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Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (AKJP) 125, 1/2005
Entwicklungen in der Analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 125
Mit Beiträgen von Anne Hurry, Irmgard Kreft, Marianne Leuzinger-Bohleber, Franz Maciejewski, Maria Rhode, Sabine Vogel
1. Aufl. 2005
136 S., Pb.
19,90 €
ISBN 9783860998458

vergriffen, keine Neuauflage * Bestellung abgelegt

 

 

 

Inhalt


Franz Maciejewski
Ein neuer Blick auf den »Kleinen Hans« – 100 Jahre danach

Anne Hurry
Die Analytikerin als Entwicklungsobjekt

Irmgard Kreft
»Das musst du bei dir behalten«
Die Arbeit mit dem Introjekt in der Behandlung eines früh traumatisierten Mädchens

Maria Rhode
Jenseits des kleinen Hans: Primitive Erscheinungsformen des Ödipuskomplexes

Forum
Marianne Leuzinger-Bohleber u. a.
Psychische und psychosoziale Integration von verhaltensauffälligen Kindern im Kindergartenalter

Werkstattbericht
Sabine Vogel
Die Babydiva tanzt auf dem Dach

Buchbesprechungen



Abstracts


Franz Maciejewski
Ein neuer Blick auf den »Kleinen Hans« – 100 Jahre danach

Entlang der Frage der Datierung (100 Jahre wonach?) sowie der Geschichte der Umwidmung der in Rede stehenden Kinderanalyse durch Freud (von »Kleiner Herbert« zu »Kleiner Hans«) argumentiert der Autor, dass wir ein doppeltes Datum erinnern und entsprechend zwei Fälle auseinanderhalten müssen. Der Kleine Hans ist der Musterfall des aufbegehrenden Ödipus, als solcher die stilisierte Figur eines kanonischen Textes. Der Kleine Herbert steht dagegen für eine reale psychosexuelle Entwicklungsgeschichte, die aber fragmentarisch geblieben ist. Ergänzt um die vergessenen frühkindlichen Traumata von Beschneidung und Mandeloperation bringt sie die Leiden des jungen Ödipus (in terms der Mythe: Aussetzung und Durchbohrung der Fußgelenke) zur Geltung. Der Kleine Hans und der Kleine Herbert bilden somit die Hälften eines Ganzen, für dessen komplette Verlaufsform der Autor die Bezeichnung »traumatischer Ödipus« vorschlägt.

Schlüsselwörter: Beschneidung, Kastration, Kinderpsychotherapie, Ödipuskomplex, traumatische Neurose.


Anne Hurry
Die Analytikerin als Entwicklungsobjekt

Säuglingsbeobachtung, Neuropsychologie und Psychotherapieforschung bestätigen die Sichtweise der Psychoanalyse als einer Entwicklungstherapie. Neben der Deutung bekommt die Beziehung großen Stellenwert im therapeutischen Prozess. Das Kind nutzt in der Therapie die Therapeutin nicht nur als Übertragungsobjekt, sondern auch als aktuelles Entwicklungsobjekt, um neue emotionale Erfahrungen zu machen. Dies wird an Hand mehrerer Fallvignetten illustriert.

Schlüsselwörter: Kinderanalyse, Entwicklungsförderung, Übertragung, therapeutische Beziehung, korrigierende emotionale Erfahrung


Irmgard Kreft

»Das musst du bei dir behalten«
Die Arbeit mit dem Introjekt in der Behandlung eines früh traumatisierten Mädchens

Es wird die psychoanalytische Arbeit mit einem vor dem Spracherwerb durch sexuellen Missbrauch und Verlusterfahrung schwer traumatisierten Mädchen geschildert. Die Autorin stellt dar, wie die Patientin vom Erstkontakt an ihre Missbrauchserfahrung per symbolischer Gleichsetzung inszeniert. Anhand von Stundensequenzen wird die Projektion von Selbst-repräsentanzen einschließlich der traumatisierenden Übertragung, in der die Patientin das Täter-Introjekt auf die Therapeutin projiziert, verdeutlicht. Erst nach dem Erreichen der depressiven Position mit den Fähigkeiten zur reifen Symbolisierung, zur intrapsychischen Triangulierung und zur Neutralisierung aggressiv determinierter Selbst- sowie Objektrepräsentanzen wird der Patientin ein bewusster Zugang zu ihrer traumatischen Erfahrung möglich und damit eine Befreiung vom Täter-Introjekt. Im Verlauf der anschließend geschilderten therapeutischen Beziehung stabilisiert sich ein ausreichend gutes Mutter-Introjekt, das vor Missbrauch schützen kann.

Schlüsselwörter: projektive Identifizierung, traumatisierende Übertragung, Gefahr der Retraumatisierung, symbolische Gleichsetzung, Symbolisierungsfähigkeit, intrapsychische Triangulierung, sexueller Missbrauch, Trauma


Maria Rhode

Jenseits des kleinen Hans: Primitive Erscheinungsformen des Ödipuskomplexes

Dieser Artikel bespricht primitive Erscheinungsformen des Ödipuskomplexes, wie sie bei autistischen Kindern auftreten. Dabei geht es um die existentiellen Ängste, nicht weiter fortzubestehen, Körperverstümmelungen zu erfahren, sich aufzulösen usw. Dies steht im Gegensatz zum klassischen Ödipuskomplex, wo es um Unabhängigkeit und sexuelle Identität geht, und auch zum frühen Ödipuskomplex auf oraler Ebene (Melanie Klein), der die Basis schafft für die Bewältigung der Psychose und für das Denkvermögen (Bion, Britton, Lacan). Klinische Vignetten aus der Behandlung eines autistischen Jungen werden besprochen im Hinblick auf die dreifaltige Struktur des Gesichts des Anderen, die dem Kinde das Dilemma stellt, ausgeschlossen/unerkannt zu bleiben oder den Anderen zu beschädigen. Das autistische Kind scheint das Elternpaar als physisch ineinander verschränkt zu erleben, sodass für das Kind kein Raum verbleibt und die typisch autistischen Ängste aus dieser Konstellation zu folgen scheinen. Konsequenzen für die Sprachfähigkeit und für Störungen der Sinneswahrnehmung werden dargestellt.

Schlüsselworte: Autismus, drittes Objekt, Identifikation, Körperverstümmelung, Ödipuskomplex, vereintes Elternpaar.

 

 

 

 
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