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Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (AKJP) 123, 3/2004
Kinderpsychoanalyse in Institutionen
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 123
Mit Beiträgen von Gertrud Hardtmann, Hans Hopf, Hildburg Kagerer, Hildegard Linge, Matthias Wildermuth, Eberhard Windaus
1. Aufl. 2004
148 S., Pb.
19,90 €
ISBN 9783860998434

vergriffen, keine Neuauflage * Bestellung abgelegt

 

 

 

Inhalt


Vorwort

Matthias Wildermuth
Wen trifft die Wunde?

Hans Hopf / Hildegard Linge
Hilfen zum Überleben
Stationäre Psychotherapie im Psychotherapeutischen Kinderheim Osterhof

Gertrud Hardtmann
Freiheit, die unfrei macht
Angst und Destruktivität im Jugendalter

Forum
Hildburg Kagerer
»Leben zündet sich nur an Leben an« – Oder: Von der Notwendigkeit der Dritten in der Schule

Forum
Eberhard Windaus
Zur Studiensituation im Bereich der analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie
Ein Überblick

Buchbesprechungen



Abstracts


Matthias Wildermuth
Wen trifft die Wunde?

Nach einem kurzen Überblick über die spezifische Aufgabenstellung der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie wird das psychoanalytisch orientierte Setting geschildert. Es werden verschiedene Phasen des therapeutischen Prozesses unterschieden. Das bipolare und integrative Therapiemodell mit der jeweiligen Nutzung des realtherapeutischen und des psychotherapeutischen Raums sowie der ganzen Station als Reinszenierungsbühne werden im Hinblick auf konstruktive und destruktive Prozesse untersucht. Anschließend werden Ursachen und psychodynamische Aspekte selbstverletzenden Verhaltens untersucht. Die Bedeutung dieser Symptomatik als Handlungsdialog bei der stationären Klientel wird konkretisiert. Anhand einer Fallvignette wird die selbstverletzende Symptomatik einer jugendlichen Patientin inklusive der Familiendynamik erläutert. Abschließend werden die Notwendigkeit des Behandlungsfokus, die Arbeit an der Affektregulation innerhalb des stationären Containing und die Notwendigkeit zur Mentalisierung bisher nicht versprachlichbarer, häufig repetitiver Traumatisierungen hervorgehoben.

Schlüsselwörter: selbstverletzendes Verhalten, stationäre Psychotherapie, Real- und Therapieraum, Affektregulation, Mentalisierung.


Hans Hopf / Hildegard Linge
Hilfen zum Überleben
Stationäre Psychotherapie im Psychotherapeutischen Kinderheim Osterhof

Im folgenden Beitrag wird stationäre psychoanalytische Therapie von Kindern im Kinderheim Osterhof beschrieben. Im Mittelpunkt des Berichtes steht die Darstellung der Behandlung eines mehrfach traumatisierten Kindes mit multiplen Schädigungen.

Schlüsselwörter: Psychotherapeutisches Kinderheim Osterhof, stationäre Psychotherapie, Trauma, Bindungsstörung.


Gertrud Hardtmann
Freiheit, die unfrei macht
Angst und Destruktivität im Jugendalter

Kinder und Jugendliche, denen keine klaren Grenzen gesetzt werden, erkennen keine sozialen Regeln an und entwickeln einen Größenwahn; sie werden in ihrem provozierenden Verhalten bei ausbleibenden ernst zu nehmenden Reaktionen durch den »Erfolg« bestätigt. Dabei spielen psychodynamisch familiäre und außerfamiliäre Erfahrungen mit unbefriedigenden, konfliktvermeidenden Objektbeziehungen eine Rolle, die zur Entwicklung unrealistischer Selbst- und Fremdbilder führen. Wenn die intersubjektiven sozialen Kommunikationsmuster nicht lebendig strukturiert werden, entwickeln sich auch keine klar strukturierten intrapsychischen Beziehungsmuster. Damit wird ein lebendiger Austausch zwischen innerer und äußerer Welt blockiert. Erst die gegenseitige Anerkennung der Rechte und Bedürfnisse des Anderen führt zu einem realistischen Selbstbild. Das Fundament unserer Arbeit mit rechtsradikalen Jugendlichen war die Herstellung einer Bindung durch eine Beziehung, die von gegenseitiger Anerkennung geprägt war. Wesentliche Voraussetzung dazu war die Anerkennung des eigenen »Begehrens«, des eigenen Wunsches nach Verstehen und Wissen, der nur von den Jugendlichen erfüllt werden konnte. Ich habe von ihnen gelernt, dass Fragen anstelle von Deutungen in der Praxis der Gruppenarbeit einen Zugang zu tieferen Konfliktebenen eröffneten, auf denen – abgewehrt durch Destruktivität zur Schmerzvermeidung – psychodynamisch sensible Gefühle von Trauer und Sehnsucht nach einem starken, Grenzen setzenden und Orientierung gebenden väterlichen Objekt erkannt und bearbeitet werden konnten.

Schlüsselwörter: Omnipotenzphantasien, konfliktvermeidende Objektbeziehungen, innere und äußere Strukturlosigkeit, das Begehren des Psychotherapeuten, Destruktivität zur Vermeidung von Schmerz und Trauer.

 

 

 

 
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