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Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (AKJP) 122, 2/2004
Behandlung von Säuglingen, Kleinkindern und deren Eltern, Teil II
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 122
Mit Beiträgen von Josef Christian Aigner, Agathe Israel, Angela Köhler-Weisker, Johan Norman, Fernanda Pedrina, Cornelia Wegeler-Schardt
1. Aufl. 2004
160 S., Pb.
19,90 €
ISBN 9783860998427

vergriffen, keine Neuauflage * Bestellung abgelegt

 

 

 

 

Inhalt


Vorwort

Agathe Israel
Das Besondere in der psychoanalytischen Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie

Josef Christian Aigner
Der frühe dyadische Vater
Zur Bedeutung der frühen Vaterbeziehung für die Entwicklung von Kindern

Fernanda Pedrina
Baby und Kleinkind als Subjekte in therapeutischen Settings
Anmerkungen zur Beziehung der Therapeutin/des Therapeuten zu Kindern vor dem Spracherwerb

Johan Norman
Der Psychoanalytiker und der Säugling
Eine neue Sicht der Arbeit mit Babys

Forum
Angela Köhler-Weisker / Cornelia Wegeler-Schardt
Psychoanalytische Arbeit mit Säuglingen und Eltern



Abstracts


Agathe Israel
Das Besondere in der psychoanalytischen Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie

Die Arbeit versucht, Material für die »Vertretung nach außen« in der gesundheitspolitischen Öffentlichkeit und für die »Vertretung nach innen« innerhalb der psychoanalytischen Berufsgruppen zusammenzutragen. Deshalb wird im ersten Teil die unkonventionelle bifokale Kurzzeittherapie (KZT) eines 2-jährigen Mädchens (das bereits als Schreibaby auffiel) und seiner Eltern geschildert. Im zweiten Teil stehen Indikationen und behandlungstechnische Überlegungen im Mittelpunkt: die spezifisch analytische Arbeit besteht immer in der Kommunikationsbeobachtung des präsymbolisch-präverbalen Verhaltens, der nachfolgenden Analyse und Übersetzung in mittelbare Symbolik und Beschreibung der kindlichen Zustände. Das heißt, die rohen, unverarbeiteten Zustände des Babys werden mittels dieser Schritte »übersetzt«. Ziel ist, die Verständigung innerhalb der Eltern-Kinder-Einheit zu verbessern. Gerade weil es sich um präverbales Material handelt, dienen Übertragung und Gegenübertragung und die Analyse der Gegenübertragungsgefühle dem Therapeuten als zentrales Instrument.

Schlüsselwörter: Störung der Frühregulation, Psychosomatosen, Entwicklungsstörungen, Psychoanalytische Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern, bifokaler Ansatz.


Josef Christian Aigner

Der frühe dyadische Vater
Zur Bedeutung der frühen Vaterbeziehung für die Entwicklung von Kindern

Der Autor untersucht die Rolle des frühen, präödipalen Vaters auf die weitere Entwicklung von Kindern – insbesondere von Buben. Dabei wird quer durch die psychoanalytische Entwicklungstheorie nach AutorInnen gesucht, die diese Rolle entsprechend zu würdigen wussten. Es werden verschiedene Theorien und Forschungsergebnisse angeführt, die die Bedeutung des frühen Vaters betonen und die in der traditionellen Entwicklungspsychologie oft ausschließlich der Mutter zugeschriebene wesentliche Bedeutung für das Kleinkind zurückweisen. Gesellschaftliche Faktoren, die dieses frühe Vatersein erschweren, werden analysiert. Schließlich wird in der Theorie der intersubjektiven Anerkennung von Jessica Benjamin und der Theorie vom »dyadischen Vater« von Peter Blos eine Perspektive gesucht, wie Vatersein von der Geburt an als ein bedeutender Sozialisationsfaktor konzipiert werden kann. Eine zentrale Rolle spielt in dieser Auseinandersetzung die Beachtung des »negativen Ödipuskomplexes« – also der gleichgeschlechtlichen Liebe und Zuneigung zwischen Vater und Sohn –, der seit Freud vielfach in Vergessenheit geraten zu sein scheint und dessen Realisierung (die gesellschaftlich im Patriarchat noch aussteht) ein Ansatzpunkt für die Entwicklung alternativer Männlichkeitsmodelle sein könnte.

Schlüsselwörter: Bedeutung der frühen Vaterbeziehung, Intersubjektive Anerkennung zwischen Vätern und Kindern, frühe Triangulierung, theoretische Vernachlässigung der Vaterrolle und des »Negativen Ödipuskomplexes«, »dyadische Väterlichkeit«.


Fernanda Pedrina
Baby und Kleinkind als Subjekte  in therapeutischen Settings
Anmerkungen zur Beziehung der Therapeutin/des Therapeuten zu Kindern vor dem Spracherwerb

In der bisherigen Literatur über Eltern-Baby/Kleinkind-Therapien hat die Rolle der elterlichen Vorstellungen in der interaktionellen Pathologie und ihre therapeutische Beeinflussung größere Aufmerksamkeit erhalten.
In der vorliegenden Arbeit wird die direkte Beziehung der Therapeutin und des Therapeuten mit dem Baby ins Zentrum gerückt und ihre Bedeutung im Rahmen der Eltern-Baby-Therapie sowie der Übergang zur Einzeltherapie mit dem sprechenden Kleinkind erörtert. Psychodynamische Vorgänge dieser asymmetrischen Beziehung zwischen einem Erwachsenen und dem noch nicht sprechenden Kind werden unter Berücksichtigung der neueren Forschungsergebnisse bezüglich der averbalen Kommunikation, der vorsprachlichen Erinnerungsfähigkeit und der Beziehung zwischen verbaler und averbaler Repräsentation formuliert. Anhand eines Fallbeispiels werden die Tätigkeit und die Meinungsbildung der Therapeutin im Spannungsfeld zwischen Baby und Mutter, zwischen averbaler und verbaler Kommunikationsebene, zwischen Handeln und Sprechen dargestellt.

Schlüsselwörter: Beziehung Therapeut/Baby, averbale Kommunikation, intermediärer Raum.


Johan Norman
Der Psychoanalytiker und der Säugling
Eine neue Sicht der Arbeit mit Babys

Nach Meinung des Autors haben die Einwände gegen eine Beziehungsaufnahme vom Analytiker zum Säugling die Psychoanalytiker dazu verleitet zu übersehen, dass die Interaktion zwischen Säugling und Analytiker jene Teile der inneren Welt des Säuglings, die kein Containment erfahren haben, aktivieren und aufspüren und dies eine Belebung der emotionalen Störung fördern kann, die sich dann in der Mutter-Kind-Beziehung durcharbeiten lässt. Solange das Ich des Säuglings schwach ist, besitzen der Säugling und die Mutter eine einzigartige Flexibilität, die es ihnen ermöglicht, Störungen in ihrer Beziehung zu heilen, wenn die emotionale Container-Contained-Verbindung (wieder)hergestellt ist. Ausgehend von den Annahmen, (1) dass eine Beziehung zwischen dem Analytiker und dem Säugling aufgebaut werden kann, (2) dass der Säugling eine primäre Subjektivität und ein primäres Selbst als Grundlage für Intersubjektivität und die Suche nach Containment besitzt, (3) dass der Säugling eine – mit der Entstehung des Ichs schwindende – einzigartige Flexibilität in der Veränderung der Repräsentanzen seiner selbst und anderer hat und (4) dass der Säugling Sprachaspekte verarbeiten kann, werden drei Fälle von Säuglingen im Alter von sechs, 18 und 20 Monaten vorgestellt, um einen neuartigen Ansatz für die Arbeit mit Säuglingen zu veranschaulichen.

Schlüsselwörter: Mutter-Säugling-Beziehung, Beziehungsaufnahme Analytiker-Säugling, Säuglingspsychoanalyse, lexikalische und nicht-lexikalische Bedeutung der Sprache.

 

 

 

 

 
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