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Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (AKJP) 119, 3/2003
Adoleszente Zusammenbrüche und Suizidalität
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 119
Mit Beiträgen von Agathe Israel, Vera King, Rolf Klüwer, Lut de Rijdt, Katarzyna Schier, Monika Schnell, Heinz Weiß
1. Aufl. 2003
144 S., Pb.
19,90 €
ISBN 9783860998397

vergriffen, keine Neuauflage * Bestellung abgelegt

 

 

 

 

 

Inhalt


Vorwort

Vera King
Der Körper als Austragungsort adoleszenter Konflikte

Lut de Rijdt
Ein psychotischer Zusammenbruch in der Adoleszenz

Katarzyna Schier
Verlusttrauma und Todesproblematik in der Psychoanalyse eines 13-jährigen Jungen

Heinz Weiß
Suizidalität als Ausdruck und als Zusammenbruch einer AbwehrorganisationBehandlungstechnische Überlegungen im Anschluss an John Steiners Theorie der »Psychic Retreats«

Rolf Klüwer
Psychoanalytische Haltung bei der Behandlung suizidaler Patienten

Forum
Agathe Israel
Adoleszenzkonflikte – Jugendgewalt in Hoyerswerda gegen Auslänger
Eine psychoanalytische Betrachtung der Ereignisse von Hoyerswerda/Sachsen 1991 und der nachfolgenden Veränderungsprozesse

Monika Schnell
»neuhland« – Ein Verbund von Beratungsstelle und Krisenwohnung

Buchbesprechungen



Abstracts


Vera King
Der Körper als Austragungsort adoleszenter Konflikte

In diesem Beitrag wird ausgeführt, dass
1. körperbezogene Symptomatiken nur aus einem präzisen Verständnis der mit der Körperaneignung in der Adoleszenz verbundenen psychischen Anforderungen verständlich werden. Dazu bedarf es eines entsprechend differenzierten (entwicklungs-)theoretischen Zugangs und Modells zu psychischen Prozessen in der Adoleszenz. Im Zentrum steht dabei die mit der Aneignung des adoleszenten Geschlechtskörpers konstitutiv verbundene Konflikthaftigkeit. Damit soll
2. hervorgehoben werden, dass aufgrund der spezifischen adoleszenten Entwicklungsanforderungen der Körper als »Austragungsort adoleszenter Konflikte« geradezu prädestiniert ist und zumindest phasenweise zur Bühne von Entwicklungsnöten werden kann. Diese Perspektive sollte bei Diagnosen und Behandlungen von Adoleszenten systematisch und differenziert berücksichtigt werden. Sie konvergiert mit jenen Ergebnissen etwa der Essstörungsforschung, die hervorgehoben haben, dass aus der Symptomatik bzw. aus der Körperbezogenheit von Symptomatiken als solcher nicht auf Störungsniveaus (z. B. auf »regressive Konkretisierungen« oder »mangelnde Symbolisierungsfähigkeit«) geschlossen werden kann.
3. Erst aus einer solchen Perspektive kann verdeutlicht werden, welche Objektbeziehungsbedeutungen mit dem Geschlechtskörper jeweils verknüpft sind und weshalb vorrangig weibliche Adoleszente zu Symptomatiken und Verarbeitungsformen neigen, bei denen, wie etwa im Fall von Essstörungen, die »Objekte im Körper« kontrolliert werden sollen. Ebenso lässt sich aus dieser Sicht herausarbeiten, dass
4. männliche Adoleszente zwar in anderer Form, doch mit teilweise analogen Bedeutungen den adoleszenten Geschlechtskörper als Austragungsort adoleszenter Konflikte benutzen. Männliche Adoleszente werden dabei auf andere Weise und in anderen Bereichen auffällig als weibliche (etwa durch riskante bis hin zu gewaltförmigen Handlungen im Straßenverkehr, im Sport oder bei Peer-Group-Aktivitäten). In der männlichen Adoleszenz geht es eher um die Kontrolle der »Objekte im Körper der Anderen« bzw. um die externalisierende Bearbeitung bzw. Abwehr von Ängsten vor Selbstverlust- oder Verschmelzung über die Manipulation und Beherrschung des »Objekts im Äußeren«.

Schlüsselwörter: Adoleszentes Körpererleben, weibliche Adoleszenz, männliche Adoleszenz, geschlechtsspezifische Antworten auf körperliche Veränderungen, adoleszente Konflikte und Störungen.


Lut de Rijdt
Ein psychotischer Zusammenbruch in der Adoleszenz

Gegenstand dieses Beitrags ist die psychoanalytische Psychotherapie als Behandlungsmethode für einen Jugendlichen, der einen psychotischen Zusammenbruch erlitten hat. Die Psychose wird hier als Abwehr gegen die entwicklungsbedingten Erfordernisse der Adoleszenz verstanden. Wir erörtern und kommentieren den Nutzen des psychoanalytischen Ansatzes für diesen Fall und ziehen den Vergleich zu einer pharmakologischen Behandlung. Diese bewirkte eine Maskierung der Symptome und stellte sich einer Erforschung der dem Konflikt zugrunde liegenden Dynamik durch den Patienten in den Weg. Das Fallbeispiel eines 17-jährigen Jungen verdeutlicht, wie über die Anerkennung des Getrenntseins vom Anderen die Entwicklung vom psychotischen zum neurotischen Funktionieren führt.

Schlüsselwörter: Adoleszenter Zusammenbruch, Adoleszenz, Abwehr, Psychose, psychotisches Funktionieren, Psychotherapie.


Katarzyna Schier
Verlusttrauma und Todesproblematik in der Psychoanalyse eines 13-jährigen Jungen

Die Autorin stellt den Verlauf eines Trauerprozesses in der zweijährigen psychoanalytischen Behandlung eines 13-jährigen Jungen dar. Die Identifizierung mit dem verlorenen Objekt (unter anderem durch Erschaffung eines Phantasiereiches der Toten) ermöglichte dem Patienten eine Wiedergewinnung des Objektes und dadurch die Entwicklung von Reflexionsfähigkeit und Kreativität. Die Autorin diskutiert das klinische Material unter dem Fokus der psychoanalytischen Theorie des Traumas sowie des Todestriebkonzeptes. Das Material wird durch Zeichnungen des Patienten ergänzt, die vor allem als eine der Methoden zu verstehen sind, mit dem Jungen zu kommunizieren. Die mythische Gestalt des Chiron, gleichermaßen Tier und Mensch, gefährlicher Zentaur und kunstliebendes Wesen, stellt den Rahmen für die Grundthesen dieser Arbeit dar.

Schlüsselwörter: Adoleszenz, Chiron, Todesproblematik, Trauerarbeit, Verlusttrauma.


Heinz Weiß
Suizidalität als Ausdruck und als Zusammenbruch einer AbwehrorganisationBehandlungstechnische Überlegungen im Anschluss an John Steiners Theorie der "Psychic Retreats"

Während akute Suizidalität zumeist aus dem Zusammenbruch einer Abwehrorganisation resultiert, kann chronische Suizidalität ihrerseits als Ausdruck einer pathologischen Persönlichkeitsorganisation verstanden werden. Die vorliegende Arbeit untersucht unterschiedliche klinische Konstellationen vor dem Hintergrund von John Steiners Theorie der Psychic Retreats. Behandlungstechnische Schwierigkeiten ergeben sich vor allem durch die Einbeziehung des Analytikers in die Abwehrorganisation des Patienten. Um die damit verbundenen Prozesse zu verstehen, kommt es für den Analytiker darauf an, die Inszenierung pathologischer Objektbeziehungen innerhalb der Übertragungssituation sorgfältig zu registrieren und zu interpretieren.

Schlüsselwörter: Suizidalität, Psychic Retreats, Suizidale Destruktivität, Romantisierung der Wirklichkeit des Zeiterlebens, Pathologische Persönlichkeitsorganisation.


Rolf Klüwer
Psychoanalytische Haltung bei der Behandlung suizidaler Patienten

Das Konzept der psychoanalytischen Haltung bedarf einer Ergänzung der Bedeutungen des Haltens um die des Anhaltens, Stoppens. Nur so ist der Therapeut geschützt vor möglichem Missbrauch der therapeutischen Situation durch den Patienten. Dies gilt mitunter insbesonders für Übertragungssituationen mit suizidalen Patienten.

Schlüsselwörter: Psychoanalytische Haltung, Enactment, Missbrauch der Therapie, Suizid.

 

 

 

 

 

 
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