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Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (AKJP) 118, 2/2003
Behandlungstechnik, Trauma und transgenerationelle Weitergabe
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 118
Mit Beiträgen von Rose Ahlheim, Anneliese Arp-Trojan, Magarete Breitsprecher, Frank Dammasch, Ulrike Guercke, Barbara Hinz, Gesa Koch-Wagner, Barbara Krüger-Weisker, Ellen Lang-Langer, Barbara Pfleiderer, Jochen Raue, Barbara Strehlow, Jutta Westram, Angelika Wolff
1. Aufl. 2003
152 S., Pb.
19,90 €
ISBN 9783860998380

vergriffen, keine Neuauflage * Bestellung abgelegt

 

 

 

 

Inhalt


Frank Dammasch
»Er weiß nicht, wo er anfängt und wo er aufhört!«
Psychoanalytisches Verstehen des ruhelosen Kindes

Barbara Krüger-Weisker
Wenn man nicht die gleiche Sprache spricht, können Bilder helfen
Die Verwendung von Metaphern im psychotherapeutischen Prozess

Rose Ahlheim
Sehnsucht und Destruktion
Zeitgefühl und Selbstkohärenz in der Behandlung eines mehrfach traumatisierten Jungen

Ellen Lang-Langer
Die unbewusste Bedeutung des Schicksals der Eltern für die Entwicklung ihrer Kinder
Ausschnitte aus zwei Kinderbehandlungen

Gesa Koch-Wagner
Gefühlserbschaften aus Nazizeit und Krieg – weitergegeben von Müttern an ihre Töchter

Forum
Jutta Westram
Integrative Elternarbeit mit einer zwangskranken Mutter
Falldarstellung und theoretische Überlegungen zum Handlungsdialog in der therapeutischen Arbeit

Annelies Arp-Trojan / Magarete Breitsprecher / Ulrike Guercke / Barbara Hinz / Barbara Pfleiderer / Jochen Raue / Barbara Strehlow / Angelika Wolff
Richtlinien – Stundenkontingente – klinische Erfordernisse – Stellungnahme zu einem Missverständnis in der Richtlinienpsychotherapie

Buchbesprechungen



Abstracts


Frank Dammasch
Psychoanalytisches Verstehen des ruhelosen Kindes

Im ersten Teil wird die Bedeutung des Wunsches nach klarer Diagnose ADS beleuchtet und sodann anhand der Analyse eines Mädchens mit hypermotorischen Symptomen auf dem Hintergrund eines traumatischen Vaterverlustes in der ödipalen Phase eine erste Idee zur Psychodynamik der Bewegung entwickelt. Im Hauptteil der Arbeit geht es um die Darstellung der Eigenarten der Behandlung eines siebenjährigen Jungen mit psychiatrisch diagnostiziertem ›Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperkinese‹. Anhand der Interpretationen von szenischen Interaktionsmustern und biografischem Hintergrund werden Gedanken zum komplexen psychodynamischen Hintergrund des Störungsbildes entfaltet. Dabei wird insbesondere die psychische Bedeutung einer Medikation mit Ritalin reflektiert.

Schlüsselwörter: Hyperaktivität, ADS, Ritalin.


Barbara Krüger-Weisker
Wenn man nicht die gleiche Sprache spricht, können Bilder helfen
Die Verwendung von Metaphern im psychotherapeutischen Prozess

Wenn der therapeutische Dialog bei schwer gestörten Kindern und Erwachsenen ins Stocken gerät, weil beide Beteiligte nicht die gleiche Sprache sprechen, können bildhafte Vergleiche helfen, einen Zugang zu der eigenen Geschichte zu finden. Metaphern können bei der Organisation unserer Innenwelten von Bedeutung sein, indem sie den Prozess der Symbolisierung unterstützen. Mit ihrem Gebrauch wird auf imaginative Weise ein potenzieller Raum eröffnet, der die Voraussetzung für gestalterische Phantasietätigkeit ist. Ohne diese sind Spiel und damit kreative Verarbeitung von Erfahrung nicht möglich. Hierbei geht es auch um die Grundvoraussetzungen, im psychotherapeutischen Dialog Deutungen annehmen zu können, was nur möglich ist, wenn man sich in ausreichendem Maße innerlich vom Gegenüber als getrennt erleben kann, also die Fähigkeit erworben hat, »in Gegenwart eines Anderen allein zu sein«.

Schlüsselwörter: Potenzieller Raum, Separation, Symbolisierung, Spiel, Deutung.


Rose Ahlheim
Sehnsucht und Destruktion
Zeitgefühl und Selbstkohärenz in der Behandlung eines mehrfach traumatisierten Jungen

Der Beitrag beschreibt die Behandlung eines Pflegekindes zu Beginn der Pubertät, das nach mehreren Beziehungsabbrüchen einen Mangel an Kontinuitätserleben zeigte. Dies bezog sich sowohl auf die Orientierung in der Zeit als auch auf das Gefühl von Selbstkohärenz: Insbesondere Regungen von Hass und Destruktivität erlebte der Junge als fremd, nicht zum Selbst gehörend. Der Patient konnte die Therapie mit ihren Übertragungserfahrungen nutzen, um die Kontinuität in seiner Lebensgeschichte ansatzweise zu entdecken und sich irritierenden Aspekten seiner frühesten Kindheit zu nähern, sie vielleicht auch zu integrieren.
Die Frage, wie weit das Ergebnis einer Kindertherapie mit ihren äußeren Begrenzungen bei mehrfach traumatisierten Patienten tragen kann, muss nach Meinung und Erfahrung der Autorin offen bleiben. Dennoch muss jeder Versuch gemacht werden, die gravierendsten Folgen früher Vernachlässigung und Misshandlung abzuwenden.

Schlüsselwörter: Trauma, Destruktivität, Selbstkohärenz.


Ellen Lang-Langer
Die unbewusste Bedeutung des Schicksals der Eltern für die Entwicklung ihrer Kinder
Ausschnitte aus zwei Kinderbehandlungen.

Ausgehend von Richters Konzept der traumatischen Rolle des Kindes, die in der Geschichte seiner Eltern wurzelt, wird dargestellt, wie in der Behandlung zweier Kinder das Schicksal ihrer Eltern Gestalt annimmt und zum Mittel des Verstehens wird.

Schlüsselwörter: Aggression, Containment, Gegenübertragung, Realitätsflucht, Traumatische Rolle.


Gesa Koch-Wagner
Gefühlserbschaften aus Nazizeit und Krieg - weitergegeben von Müttern an ihre Töchter.

Eltern können das, was sie ergreift und bestimmt, vor ihren Kindern nicht verbergen. Von Freud als "Gefühlserbschaft" bezeichnet (Freud, 1913, S. 191), teilen sich elterliche Identifizierungen, Idealisierungen, aber auch Traumen intergenerativ mit und bleiben für die nächste Generation bedeutsam. Die Autorin führte mit Frauen der Jahrgänge 1938 bis 1948 psychoanalytisch orientierte Gespräche, in denen die Gesprächspartnerinnen den Einfluss der Nazi-, Kriegs- und frühen Nachkriegszeit auf ihre Mütter reflektierten und sich dazu in Beziehung setzten.
Es zeigte sich, dass diese Frauen über lange Zeit mit ihren Müttern identifiziert geblieben sind, deren nicht integrierte Gefühlserbschaften in sich tragen und verdeckt in Szene setzen. Die ursprünglichen Zeitbezüge - nationalsozialistische Rassenideologie, Kriegsbedingungen - sind weitgehend verloren gegangen oder in Einzelepisoden eingefroren. An Beispielen werden die intergenerative Weitergabe und das Wirken von Gefühlserbschaften aus Nazizeit und Krieg verdeutlicht.

Schlüsselwörter: Frauenforschung, nationalsozialistische Ideologie, Trauma, intergenerationelle Weitergabe, Gefühlserbschaft, Erziehung im Nationalsozialismus.


Jutta Westram
Integrative Elternarbeit mit einer zwangskranken Mutter
Falldarstellung und theoretische Überlegungen zum Handlungsdialog in der therapeutischen Arbeit

Ich möchte zunächst die Stunden 11 bis 21 aus der begleitenden Elternarbeit mit einer zwangskranken Mutter schildern, in denen ich mit körper- und gestalttherapeutischen Elementen gearbeitet habe, in der Hoffnung einen völlig festgefahrenen Entwicklungsprozess bei der Mutter und ihrem Sohn wieder in Gang zu bringen.
Im Anschluss an die Falldarstellung folgen Überlegungen über die entstehende Motivation zur Veränderung bei der Patientin. Daran schließen sich allgemeine Überlegungen zur theoretischen Begründung integrativer Arbeitsmethodik im Hinblick auf die stattfindende Revision der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie an. Den Abschluss bildet eine kurze Betrachtung über die Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen begleitender Psychotherapie der Eltern im Rahmen der Therapie von Kindern und Jugendlichen.

Schlüsselwörter: begleitende Psychotherapie der Mutter, integrative Arbeitsformen, Handlungsdialog, nonverbale Kommunikation, Zwang.

 

 

 

 

 
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