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Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (AKJP) 117, 1/2003
Unruhige Kinder und Jugendliche
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 117
Mit Beiträgen von Rainer Funk, Evelyn Heinemann, Hans Hopf, Agathe Israel, Helmut F. Schäberle, Rainer A. Straub, Heidegreth Wurster
1. Aufl. 2003
136 S., Pb.
19,90 €
ISBN 9783860998373

vergriffen, keine Neuauflage * Bestellung abgelegt

 

 

 

 

 

Inhalt


Vorwort

Hans Hopf
»Ich habe ein ADS-Kind, verstehen Sie etwas davon...?« Vom psychoanalytischen Verstehen der hyperkinetischen Störung und des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms

Rainer Funk
Die unerträgliche Realität und die Leichtigkeit der IllusionPsychische Folgen einer inszenierten illusionären Wirklichkeitswahrnehmung

Evelyn Heinemann
ADS mit und ohne Hyperaktivität bei Jungen und Mädchen – ein psychoanalytisches Forschungsprojekt zur Genderforschung

Agathe Israel
Suchet, so werdet ihr finden – unsere unruhigen Kinder

Helmut F. Schäberle
Gedanken zur Verleugnung der Väterlichkeit

Rainer Funk
Die unerträgliche Realität und die Leichtigkeit der Illusion
Psychische Folgen einer inszenierten illusionären Wirklichkeitswahrnehmung

Forum
Rainer A. Straub
Verdammte Aggression!
Über konstruktive Aspekte der Destruktivität

Forum
Heidegreth Wurster
Die Fischtreppe und AKJP, P als Psychotherapeuten und Psychotherapien



Abstracts


Hans Hopf
»Ich habe ein ADS-Kind, verstehen Sie etwas davon...?«
Vom psychoanalytischen Verstehen der hyperkinetischen Störung und des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms

Dieser Beitrag verdeutlicht, dass eine ADHS-Symptomatik nicht einseitig auf eine genetisch bedingte Defizienz zurückzuführen ist, sondern Folge ungünstiger Entwicklungsbedingungen bei Kindern mit einer besonderen Vulnerabilität ist. Diskutiert werden zudem Erkenntnisse aus der Bindungstheorie, zentrale intrapsychische und interpersonale Konflikte sowie die Funktion der Geschlechtsunterschiede vor dem Hintergrund einer extremen Asymmetrie der Geschlechtsverteilung. Psychoanalytische Therapien, die über und an der Beziehung arbeiten, sind somit deutlich indiziert, schließen auch eine parallel erfolgende Stimulanzienbehandlung nicht aus.

Schlüsselwörter: ADHS-Symptomatik, hyperkinetische Störung, desorganisiertes/desorientiertes Bindungsmuster, Geschlechtsunterschiede, Containment.


Evelyn Heinemann
ADS mit und ohne Hyperaktivität bei Jungen und Mädchen – ein psychoanalytisches Forschungsprojekt zur Genderforschung

Der Beitrag stellt anhand von drei Fallbeispielen aus einem universitären Forschungsprojekt über Jungen und Mädchen mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) geschlechtsspezifische Unterschiede heraus. Warum zeigen Jungen hyperaktives Verhalten, während die Mädchen als Träumerinnen beschrieben werden? Die spezifischen Konflikte und Abwehrformen der betroffenen Kinder werden szenisch verstanden und interpretiert. Abschließend wird aus dem Vergleich mit mutterzentrierten Kulturen in Polynesien und Mikronesien die Funktion von so genannten anregenden und beruhigenden Mitteln wie Betelnüsse, Kava und Ritalin diskutiert. Aus psychoanalytischer Sicht kann auch die psychische Funktion eines Medikaments verstanden werden.

Schlüsselwörter: ADS, Ethnopsychoanalyse, Genderforschung, Hyperaktivität, szenisches Verstehen.


Agathe Israel
Suchet, so werdet ihr finden – unsere unruhigen Kinder

Der vorliegende Beitrag versucht, Unruhe und Hyperaktivität als Suche nach einem Halt gebenden äußeren Objekt zu verstehen, weil ein Halt gebendes inneres Objekt nur unzureichend aufgebaut werden konnte. Der Abwendung von psycho-physischen Schmerzen und Ängsten, die die Integrationsfähigkeit des Säuglings überschreiten, dienen frühe Abwehrmaßnahmen. Unter diesen könnte sich aus der frühen Abwehrform Kämpfen (fighting) im Laufe der Entwicklung Hyperaktivität formen. Ein Fallbeispiel der Behandlung eines hyperaktiven 8-jährigen Jungen erläutert die Hypothesen. Dabei werden beunruhigende Bedingungen der äußeren Lebenswelt einbezogen.

Schlüsselwörter: ADS, frühe Abwehrformen des rudimentären Ichs, innere Objekte, Kämpfen, Hyperaktivität, gesellschaftlicher Kontext.


Helmut F. Schäberle
Gedanken zur Verleugnung der Väterlichkeit

Der Beitrag behandelt die Väterlichkeit als eine Seite der inneren Haltung, welche beispielsweise von Eltern ihren Kindern gegenüber eingenommen wird, oder auch von Psychoanalytikern gegenüber ihren Patienten. Die väterlich-strukturierende Seite ist im Vergleich zur mütterlich-haltenden oft in Gefahr verleugnet zu werden. An vier Beispielen aus meiner eigenen Praxis möchte ich verschiedene Aspekte dieser Gefahr der Verleugnung verdeutlichen. Auch die theoretischen Konzepte, die mir für das Verstehen der jeweiligen Arbeit mit dem Patienten wichtig waren, werden schlaglichtartig auf dem Hintergrund der Verleugnung der Väterlichkeit ausgeleuchtet.

Schlüsselwörter: ADS, Vater, Verleugnung, Väterlichkeit, väterlich-strukturierend, mütterlich-haltend, Kinderanalyse.


Rainer Funk
Die unerträgliche Realität und die Leichtigkeit der Illusion
Psychische Folgen einer inszenierten illusionären Wirklichkeitswahrnehmung

Vor dem Hintergrund des psychoanalytischen Ansatzes von Erich Fromm (1900-1980) wird eingangs zunächst nach gesellschaftlichen Ursachen psychischer Störungen gefragt. Der Hauptteil des Beitrags beantwortet diese Frage mit dem Aufweis der Marketing-Orientierung als einer gesellschaftlich erzeugten, triebhaften Grundstrebung, die das Denken, Fühlen und Handeln des gegenwärtigen Menschen in hoch industrialisierten Gesellschaften weitgehend determiniert. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Erfordernis, zu verkaufen und sich zu verkaufen, macht das Marketing zu einem Leitwert in allen Bereichen des Lebens. Die erfolgreichste Marketingstrategie ist die postmoderne Inszenierung von – meist illusionärer – Wirklichkeit. Diese spiegelt sich in dem psychischen »Trieb« wider, illusionären Wirklichkeitsinszenierungen den Vorzug zu geben vor der Wahrnehmung der vorgegebenen, aber meist ambivalent erlebten Wirklichkeit. Der Zusammenhang von gesellschaftlicher Erfordernis einerseits und psychischem »Trieb« andererseits wird dabei auch für wichtige Partialtriebe (Charakterzüge) plausibel gemacht. In einem abschließenden Teil werden die Psychodynamik des Marketing-Charakters und seine pathologischen Potenziale aufgezeigt.

Schlüsselwörter: Marketing-Orientierung, Leben in Illusionen, gesellschaftliche Ursachen psychischer Störungen, Erich Fromm, gesellschaftliches Unbewusstes.


Rainer A. Straub
Verdammte Aggression!
Über konstruktive Aspekte der Destruktivität

Am Beispiel einer allein erziehenden Mutter werden Auswirkungen einer entwicklungsbedingt schlecht integrierten und verleugneten Aggression gezeigt und die möglichen Auswirkungen auf das Kind diskutiert. Es schließen sich allgemeine Überlegungen an, die sich zunächst mit der fortschreitenden Verleugnung aggressiver Inhalte in der Gesellschaft befassen und dann mit der Bedeutung einer angemessen integrierten Aggression für die autonome Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, die sie vor den deformierenden und verführenden Einflüssen von Interessengruppen zu schützen vermag.

Schlüsselwörter: Destruktivität, Aggressionshemmung, Autonomie, Masochismus, transgenerationelle Traumatisierung.

 

 

 

 

 

 
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