Detailansicht

 

Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (AKJP) 115, 3/2002
Jungianische Ansätze in der Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalyse
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 115
Mit Beiträgen von Brigitte Allain-Dupré, Miranda Davies, Wanda Grosso, Verena Rossetti-Gsell, Hannah Judith Schmid, Dieter Schnocks, Barbara D. Stephens
1. Aufl. 2002
136 S., Pb.
19,90 €
ISBN 9783860998359

vergriffen, keine Neuauflage * Bestellung abgelegt

 

 

Inhalt


Vorwort

Barbara D. Stephens
Die Rückkehr des verstoßenen Sünders: Die Wiederkehr jungianischer Themen im postfreudianischen Denken

Miranda Davies
Gedanken über die Psyche, das Gehirn und ein Kind mit früher Deprivationserfahrung

Hanna Judith Schmid
Das Bettelkind oder: Wenn aus Scherben Neues entsteht!
Ausschnitte aus der analytischen Psychotherapie eines Mädchens mit Trennungsangst in der Frühadoleszenz

Wanda Grosso
Das analytische Zuhören in der psychotherapeutischen Beziehung mit Erwachsenen und Kindern

Dieter Schnocks
Die inneren Wirkbilder vom Kind und vom göttlichen Kind in uns

Forum
Verena Rossetti-Gsell
»Ich zeichne es dir«
Beispiele nonverbaler Kommunikation von Kindern mit Lernstörungen

Tagungsbericht
Brigitte Allain-Dupré
Workshop-Saga
Der internationale Workshop für Analytische Psychologie in Kindheit und Adoleszenz 1984–2002



Abstracts


Barbara D. Stephens
Die Rückkehr des verstoßenen Sünders: Die Wiederkehr jungianischer Themen im postfreudianischen Denken

Geschichten über Realität und über das Wesen der Wahrheit konstituieren den Kern der psychoanalytischen Theorie. Der Beitrag gibt einen Überblick über die verschiedenen jungianisch klingenden »Handlungsfäden«, die nach und nach in die Textur der freudianischen Theorie, das heißt in die verschiedenartigen therapeutischen Ansätze eingewebt wurden, die man als »psychoanalytisch« bezeichnet. Dazu zählen: die Hegemonie der subjektiven Erfahrung, die Zentralität des Subjekts, die letztlich nicht ergründbare Natur des Subjekts und seiner Urheberschaft, die Rolle der Gegenübertragung als primäres Analysematerial, die autonomen psychischen Strukturen, Wesen und Funktion von Symbolen, das Begehren und seine Zielgerichtheit, Wesen und Transformationsaspekte primitiver Affektzustände. Das Auftauchen dieser Themen wird nicht lediglich als Resultat eines aufgeklärten theoretischen oder brüderlichen Austauschs betrachtet, sondern als archetypische Dynamik des Ausschlusses und der Wiedervereinigung verstanden, die der Theoriebildung inhärent ist und die durch den biblischen Mythos vom verstoßenen Sünder illustriert wird.


Miranda Davies
Gedanken über die Psyche, das Gehirn und ein Kind mit früher Deprivationserfahrung

Die Hirnforschung bei Säuglingen übt auf die Kinderpsychotherapie und auf unser Verständnis der neurobiologischen Auswirkungen von Trauma und Vernachlässigung einen wachsenden Einfluss aus. Der Beitrag erläutert den »erfahrungsabhängigen« Charakter der frühen Gehirnentwicklung und das Konzept der kritischen Phasen. Folgen der Deprivation für die Kinderentwicklung werden am Beispiel der Behandlung eines Jungen illustriert, der während des zweiten Lebensjahres in einem Heim untergebracht war. Auf der Grundlage dieses Materials werden Fragen über die Beschaffenheit von Geist, Psyche und Gehirn formuliert. Trotz seiner Deprivationserfahrungen war der Junge in der Lage, phantasievoll zu kom-munizieren. Allan Schores Plädoyer für die Frühintervention wird zitiert, um der Entmutigung, die durch die Arbeit mit massiv vernachlässigten Kindern hervorgerufen werden kann, entgegenzuwirken.


Hanna Judith Schmid
Das Bettelkind oder: Wenn aus Scherben Neues entsteht!
Ausschnitte aus der analytischen Psychotherapie eines Mädchens mit Trennungsangst in der Frühadoleszenz

Anhand einer Jugendlichenbehandlung werden besondere Aspekte der analytischen Psychotherapie nach C. G. Jung dargestellt. Berücksichtigung findet der Umgang mit Schweigen, inflationärer Produktivität, sowohl aktiver als auch passiver Verweigerung und negativer Übertragung. Hierbei wird der Symbolbildung und dem schöpferischen Umgang mit der transzendenten Funktion besondere Bedeutung zu kommen. Unter der »transzendenten Funktion« versteht C. G. Jung die Fähigkeit der Psyche, mit Hilfe gefühlsbetonter, unbewusster Inhalte und spontaner Phantasien, Gegensatzpaare in einem Symbol zu einer Synthese zu vereinen. Hierdurch gelingt es dem Ich, den lebendigen Fluss zwischen Bewusstsein und Unbewusstem wieder in Gang zu bringen, um so Einseitigkeiten und Blockierungen in der psychischen Entwicklung aufzuheben. Dieser schöpferische Umgang mit der Gegensatzspannung soll auch im Übertragungs- und Gegenübertragungsgeschehen berücksichtigt werden. In Schlussfolgerungen, therapeutischen Interpretationen und behandlungstechnischen Elementen werden nicht nur kausalreduktive, sondern auch finalprospektive Aspekte Anwendung finden.


Wanda Grosso
Das analytische Zuhören in der psychotherapeutischen Beziehung mit Erwachsenen und Kindern

Die Autorin reflektiert jenen Aufarbeitungsprozess, den der Analytiker in der analytischen Situation mit Erwachsenen und mit Kindern leistet. Sie definiert »analytische Aufmerksamkeit (Zuhören)« als die offene und auf-merksame Haltung für alles, was zwischen Patient und Analytiker in ihrer Beziehung geschieht, bewusste und unbewusste, sprachliche und nicht sprachliche Mitteilungen, egal ob sie innerhalb oder außerhalb der Über-tragung-Gegenübertragungsbeziehung entstehen. Diese Art des Umgangs mit dem Patienten, die mit klinischem Material aus Behandlungen mit Erwachsenen und mit Kindern illustriert wird, bezieht sich auf die theore-tische Auffassung Jungs, dass sich Patient und Analytiker in einem Zustand gegenseitiger Verwicklung - wenn auch mit unterschiedlicher Qualität und Aufgaben - befinden. Aus dieser Sicht sind die technischen Unterschiede in der Behandlung von Kindern und von Erwachsenen nebensächlich.


Dieter Schnocks
Die inneren Wirkbilder vom Kind und vom göttlichen Kind in uns

Die Analytische Psychologie C. G. Jungs hat mit ihrem Archetypenkonzept zum Thema Kind zusätzlich zu den üblichen Sichtweisen eine bedeutende tiefenpsychologische Ergänzung anzubieten. Im Folgenden sollen wichtige Aspekte des Kind-Themas für die vier verschiedenen Ebenen des Persön-lichkeitsmodells der Analytischen Psychologie beleuchtet werden. Zuerst gilt es, das Kind aus dem Blickwinkel des Ich-Bewusstseins zu betrachten. Dann stehen die Kind-Aspekte des persönlichen Unbewussten im Blickfeld, die sich stark in das Erleben und Verhalten einmischen. Schließlich führt der Artikel zur Archetypenebene des kollektiven Unbewussten. Hier ist das starke Wirkbild des Archetyps des Kindes anzusiedeln, welches tiefenpsychologisch gesehen hinter allen erfahrbaren Kind-Aspekten steht. Schließlich soll aufgezeigt werden, wie der Zugang zum Kind - innen wie außen - und wie therapeutische Heilprozesse bei Kindern und Erwachsenen durch den Kind-Archetyp und seine Verbindung zur Selbstebene zen-tral mitinitiiert werden.

 

 

 
zum Anfang      zurück