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Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (AKJP) 114, 2/2002
Psychoanalyse und ihre Anwendungen: Institutionen, Elternarbeit und Literatur
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 114
Mit Beiträgen von Heide Bade, Lydia Bauer, Romana Defant, Michael Kögler, Elisabeth Müller-Brühn, Karin Nitzschmann, Barbara Saitner, Jörg Schmid, Konstanze Zinnecker-Mallmann
1. Aufl. 2002
136 S., Pb.
19,90 €
ISBN 9783860998342

vergriffen, keine Neuauflage * Bestellung abgelegt

 

 

 

 

 

Inhalt


Michael Kögler
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie in einer interkulturellen sozialpädagogischen Einrichtung mit Unterschichtspatienten
Ein Pilotprojekt zur Vernetzung von Psychotherapie und Sozialpädagogik

Karin Nitzschmann
Die Schule als symbolischer Austragungsort für entwicklungsbedingte Konflikte
Zum Verständnis von Schulvermeiden und Weglaufen

Heide Bade
Elternarbeit in der Behandlung eines neurotischen Vorschulkindes

Barbara Saitner
Angst und Konfliktbewältigung in modernen Märchen: Harry Potter aus dem Blickwinkel der Psychoanalyse

Konstanze Zinnecker-Mallmann
Werther. Eine psychoanalytische Fallstudie zur Übertragungsliebe

Forum
Elisabeth Müller-Brühn
Psychoanalytische Identität und analytische Kinderpsychotherapie und »mancherlei Interessen« an der Kinderanalyse

Lydia Bauer / Romana Defant / Jörg Schmid
Plädoyer für Zeiträume

Buchbesprechungen



Abstracts


Michael Kögler
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie in einer interkulturellen sozialpädagogischen Einrichtung mit Unterschichtspatienten
Ein Pilotprojekt zur Vernetzung von Psychotherapie und Sozialpädagogik

Kultur entsteht nach Winnicott im »potentiellen Raum« zwischen subjektiver und objektiver Realität, der ursprünglich aus der gleichzeitigen Einheit und Trennung von Mutter und Säugling hervorgeht. Zu diesem kulturellen Bereich gehört auch das Sozial- und Gesundheitswesen, welches in sich häufig nicht bewusste, unauflösliche Paradoxien enthält. In der ambulanten Psychotherapie für Kinder und Jugendliche liegt eine solche Paradoxie darin, dass Kinder aus Familien mit sozialer und wirtschaftlicher Benachteiligung das höchste psychosoziale Risiko für seelische Gesundheit tragen, indizierte Kassenpsychotherapie in der Regel jedoch nicht in Anspruch nehmen. Um dieser Hilfelücke zu begegnen, wird in einem Pilotprojekt ambulante Psychotherapie in einer sozialpädagogischen Einrichtung mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt, die in dieser Einrichtung durch seelische Störungen mit Krankheitswert auffallen. Unter dem Gesichtspunkt von Winnicotts Theorie des potentiellen Raumes werden die paradoxe Situation in der ambulanten Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen sowie die relevanten Beziehungen innerhalb des Pilotprojektes beschrieben.


Karin Nitzschmann
Die Schule als symbolischer Austragungsort für entwicklungsbedingte Konflikte Zum Verständnis von Schulvermeiden und Weglaufen

Mit zunehmender Aktualität werden Schulvermeider und Wegläufer aufgrund ihrer lärmenden Symptomatik wahrgenommen. Aufgrund einer Befragung der Kultusministerien aller Bundesländer vermeldeten im November 1999 die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Rundschau, dass derzeit bis zu 70000 Kinder und Jugendliche in Deutschland den Schulbesuch über Wochen, Monate und Jahre verweigern. Genaue Zahlen gebe es jedoch nicht. Bezogen auf die Gesamtheit aller Schüler sind dies (jedoch nur) 1,5% aller Haupt-, Real-, Gesamt- und Berufsschüler in Deutschland. Diese Schüler zeigen ein Verhalten, das sich statistisch scheinbar minimieren läßt, aber im konkreten Einzelfall leider nicht so leicht zum Verschwinden zu bringen ist. 1996 fand an der Universitätsklinik für Psychiatrie in Wien eine Tagung statt über das Thema »Wenn Schüchternheit zur Krankheit wird. Über Formen, Entstehung und Behandlung der Sozialphobie«. Die Autoren hoben hervor, dass u.a. die Schulverweigerung ein markantes Symptom der Sozialphobie sei, denn die Störung bei den Erwachsenen beginne in der Kindheit, eskaliere in der Ablösesituation und führe zu familiären Konflikten. Es werde jedoch zu wenig nach den Gründen gefragt, warum jemand bestimmte Situationen vermeidet. Hier seien insbesondere Fallstudien aus Therapien von Kindern und Jugendlichen gefragt, worüber ein großer Mangel bestehe. Auch gäben die beschreibenden Diagnosesysteme zu wenig Aufschluß. Da ich in Gesprächen und Diskussionen wiederholt aufgefordert wurde, mich über diagnostische Differenzierungen wie beispielsweise Schulangst, Schulphobie oder Schwänzen zu äußern, als wäre auf diese Weise das Symptom besser zu verstehen, beginne ich mit den Ergebnissen einer dies-bezüglichen Recherche. Ein – auch für die Wahl der Methode – zentrales Ergebnis war, dass nur ein psychodynamisches Verstehen die komplizierte Symptomatik enträtseln kann. Somit begründe ich in dem ersten Abschnitt die Wahl meiner Arbeitsbegriffe von »Schulvermeiden« und »Weglaufen«. Es folgt dann ein Fall von Schulvermeidung, den ich vor dem Hintergrund von Ergebnissen interpretiere, die sich aus der genannten Untersuchung über die Schule verweigernde Kinder und Jugendliche ergeben haben. Abschließend behandle ich die Frage, inwiefern der Verstoß gegen die Schulpflicht zu einem Instrument werden kann, Entwicklungsprobleme über die Schule auszutragen, die nicht in der Familie gelöst werden konnten.


Heide Bade
Elternarbeit in der Behandlung eines neurotischen Vorschulkindes

Der Beitrag erörtert Probleme und Chancen, die sich aus dem »kombinierten Setting« – d.h. Kind und Eltern werden von derselben Therapeutin behandelt – ergeben. In der Falldarstellung geht es um eine 5-jährige Patientin mit Neurodermitis und um ihre Eltern. Durch die intensive begleitende Arbeit mit der Mutter können die unbewussten Prozesse, die zu einer verklebten Mutter-Tochter-Beziehung geführt haben, in ihren unbewussten generationsübergreifenden Zusammenhängen verstanden werden.


Barbara Saitner
Angst und Konfliktbewältigung in modernen Märchen: Harry Potter aus dem Blickwinkel der Psychoanalyse

Der vorliegende Artikel verfolgt einen psychoanalytischen Erklärungs- und Deutungsansatz des Massenphänomens und Medienereignisses Harry Potter. Als Grundlage der Arbeit dient nicht nur die klinische Erfahrung aus der eigenen Praxis, sondern zudem eine kleine Befragung zur Lesemotivation von 30 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 17 Jahren, die sich nicht in Psychotherapie befinden oder befanden. Es folgt ein kurzer Abriss der derzeitigen psychologischen Forschungsergebnisse zu Angst und Furcht bei Kindern und Jugendlichen aus nicht-klinischen Stichproben. Im Hauptteil beschäftige ich mich mit der Frage, wie Angst- und Konfliktbewältigung bei Harry Potter dargestellt wird und ob dies hilfreich für Kinder und Jugendliche sein kann. Im Zentrum steht dabei die These, dass ein »Geheimnis« des Erfolges von Harry Potter in den konsequent und intensiv dargestellten Angst- und Konfliktbewältigungsstrategien liegt, die sich so in der zeitgenössischen Kinderliteratur nicht finden lassen.


Konstanze Zinnecker-Mallmann
Werther. Eine psychoanalytische Fallstudie zur Übertragungsliebe

Die Autorin vergleicht die wahnhafte Liebe der Romanfigur Werther zu seiner Freundin Lotte mit der Übertragungsliebe eines Patienten zu seiner Analytikerin anhand einer Fallstudie. Während Werther keinen anderen Ausweg wußte als den Selbstmord, kam Herr W durch die Analyse in Kontakt mit seinem schöpferischen Potenzial und fand seine Balance wieder.

 

 

 

 

 

 
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