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Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (AKJP) 113, 1/2002
Die sexuelle Entwicklung von Jungen und Mädchen
Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 113
Mit Beiträgen von Ute Benz, James Herzog, Matthias Hirsch, Ross A. Lazar, Cornelia Thürheimer
1. Aufl. 2002
112 S., Pb.
19,90 €
ISBN 9783860998335

vergriffen, keine Neuauflage * Bestellung abgelegt

 

 

 

Inhalt


Vorwort

Ross A. Lazar
»Bub oder Mädchen?«
Geschlechtsidentität im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung

James Herzog
Weibliche Aggression und Sexualität

Cornelia Thürheimer
Zwischen horizontalem Schwarz und vertikalem Weiß
Anmerkungen zur weiblichen Homosexualität in der Adoleszenz

Mathias Hirsch
»Gibt es die kleinen Lolitas denn?«
Auswirkungen inzestuösen Missbrauchs auf die sexuelle Entwicklung im Kindes- und Jugendalter

Ute Benz
»Ich will Kinder haben« – die verzweifelte Liebe und Wut einer 16-Jährigen
Kinderwünsche und die Abwehr von Traumen und Beziehungsstörungen

Buchbesprechungen



Abstracts


Ross A. Lazar
»Bub oder Mädchen?«
Geschlechtsidentität im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung

Beginnend mit allgemein anerkannten Definitionen der alltäglichen Begriffe Persönlichkeit und Identität, setzt sich dieser Aufsatz ausführlich mit psychoanalytischen Theorien über Identifizierungs- und Persönlichkeitsentwicklung auseinander. Zunächst wird der Zusammenhang von Erfahrung und Entwicklung in der frühen Kindheit mit der Geschlechtsidentitätswerdung und ihrem Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung insgesamt beschrieben sowie die Wechselwirkung der beiden untereinander. Im Mittelpunkt dieses Prozesses stehen die verschiedenen Formen der Identifikation (projektive und introjektive), besonders wie sie von M. Klein und W.R. Bion formuliert worden sind, sowie die Vorstellung von frühkindlichen Stadien (d.h. auf Teilobjektebene) des Ödipuskomplexes und die es-sentielle Bisexualität der menschlichen Geschlechtsidentität. Fallvignetten aus Kinder- und Jugendlichentherapien, Supervision und Erwachsenenanalyse veranschaulichen diese Ideen und demonstrieren dabei das Auf und Ab von Homosexualität bei Buben im Latenzalter, Probleme der Ge-schlechtsverwirrung bei einem Adoleszenten und eine unvollendete Ge-schlechtsidentitätswerdung bei einer erwachsenen Patientin.


Cornelia Thürheimer
Zwischen horizontalem Schwarz und vertikalem Weiß
Anmerkungen zur weiblichen Homosexualität in der Adoleszenz

Aufgrund verschiedener kritischer Theorien zum Thema Homosexualität soll es um ein grundsätzliches Hinterfragen fundamentaler Geschlechterkategorien gehen. Die Achse von Gleichheit und Andersartigkeit deckt sich nicht immer mit der Achse der Geschlechterdispositionen. Es geht vielmehr um das Verständnis jener Symbole, die Spannung zwischen den Gegensätzen überbrücken und damit eine Vielfalt von Geschlechterdispositionen, von multiplen Identifikationen, nichtgenitalen, bisexuellen und homo- wie heterosexuellen Repräsentationen umfassen. Anhand von zwei Fallbeispielen soll ein vertieftes Verständnis der Entwicklung weiblicher Homosexualität in der Adoleszenz in ihrer subjektiven Erscheinungsform möglich werden. Es ist ein Beitrag zur aktuellen Diskussion über Homosexualität, zumal sie in der Adoleszenz bisher wenig untersucht wurde.


Mathias Hirsch
»Gibt es die kleinen Lolitas denn?«
Auswirkungen inzestuösen Missbrauchs auf die sexuelle Entwicklung im Kindes- und Jugendalter

Sexueller Missbrauch in der Kindheit, insbesondere innerhalb langdauernder familiärer Beziehungen, stellt ein Trauma dar, das durch Dissoziation und Internalisierung (Introjektion und Identifikation) zu bewältigen gesucht wird. Die Internalisierung der sexuellen Gewalt nimmt besonderen Einfluss auf die sexuelle Entwicklung des/der Jugendlichen: Eine »weiblich-masochistische« Form der Identifikation führt im Wiederholungszwang zu Promiskuität, vielfachem selbstdestruktivem Agieren, Somatisierung und geschwächtem Selbstwertgefühl, eine »männlich-sadistische«, nachahmende Identifikation zu sexuell-gewaltsamem Agieren gegen Schwächere. Verschiedene Symptome lassen sich beiden Formen der Identifikation mit dem Aggressor zuordnen, darüber hinaus auch solche aufgrund von Rebellion gegen den Missbrauch unterscheiden.


Ute Benz
»Ich will Kinder haben« – die verzweifelte Liebe und Wut einer 16-Jährigen
Kinderwünsche und die Abwehr von Traumen und Beziehungsstörungen

Der Wegfall äußerer, gesellschaftlicher Begrenzungen bei gleichzeitig wirksamer öffentlicher Steigerung der Animation zu lustbetontem Leben lässt offenbar für viele junge Menschen mit noch schwachem Ich ihre inneren Schwierigkeiten in der Pubertät uferlos und überwältigend werden. Für sie ist es besonders schwer, aus eigener Kraft mit ihren Illusionen, mit Wut und Hass aus familiären Enttäuschungen im Gefolge von Elterntrennungen, mit Ängsten vor dem Verlassenwerden fertig zu werden. Das Beispiel einer Jugendlichen mit Borderlinestörungen zeigt, wie der Kinderwunsch am Anfang sexueller Beziehungen dazu dient, die Illusion einer engen Bindung mit dem Freund herzustellen, weil massive Beziehungskonflikte in Gegenwart und Vergangenheit abgewehrt werden müssen. Dabei wird erkennbar, wie sehr elterliche Konfliktlösungsversuche als unbewuss-te szenische Wiederholungen im Leben der Tochter wirksam sind.

 

 

 

 
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