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Ute Witassek (Hrsg.)
Transformationsprozesse in psychoanalytischen Psychotherapie
Mit Beiträgen von Thomas Reiter, Brigitte Pahlke, Johannes Brehm, Gabriele Kortendieck-Voll, Hans-Dietrich Kortendieck, Suse Köbner-Jäger, Ute Witassek, Erika Krejci
1. Aufl.
204 S., 15,5 x 23,5 cm, 
24,90 €
ISBN 9783955582456

Lieferbar

Den Beitragenden ist es auf überzeugende Weise gelungen, die Gedanken- und Erkenntniswelt Bions in die heutigen therapeutischen Herausforderungen zu übertragen. In den klinischen Darstellungen werden von den Autor*innen besonders psychisches Wachstum und Lernprozesse in verschiedenen Settings diskutiert.

 

 

Inhalt

Ute Witassek: Vorwort

Hermann Beland: Vorwort – Ab Ovo. Die Errichtung einer modernen Psychoanalyse für ihre therapeutische Aufgabe in Wilfred Bions Transformationen

Erika Krejci: Eröffnung. Hofstetten, 20. September 2008

Brigitte Pahlke: Psychotische Transformationen: Realitätsverlust – Realitätsersatz – Realität

Ute Witassek: Transformation in Halluzinose – am Beispiel von »Alice in Wonderland«

Gabriele Kortendieck-Voll: Transformationen in O – Ermöglichung und Scheitern

Hans-Dietrich Kortendieck: Von Hyperbel zu Hyperbel. Abwehr und/oder Kommunikation am Beispiel einer Fallvignette

Thomas Reitter: Bions Entwurf einer Mathematik der emotionalen Erfahrung – die Geometrie der Halluzinose. Der Ödipusmythos und die richtige Verwendung der ödipalen Elemente für das Begreifen und die Transformation emotionaler Erfahrungen

Suse Köbner-Jäger: Bion und Winnicott, »Containment« versus »Holding« – zwei Transformationsmodelle einander gegenübergestellt

Johannes Brehm: Angriffe auf Raum und Zeit in der analytischen Beziehung. Nicht-Ding und Raum/Nicht-Gegenwart und Zeit – Die Zerstörung von Existenz, Zeit und Raum und Nicht-Raum

 

 

Ute Witassek: Vorwort

Inzwischen gibt es zahlreiche, sehr differenzierte Publikationen zu Bions Werken, warum also jetzt noch ein Buch über Bions Transformationen? Das war einer von zahlreichen Zweifeln, die uns als Gruppe beschäftigten, als die Frage der Veröffentlichung im Raum stand. Der Hintergrund für dieses Buch ist eine Arbeitsgruppe von Kollegen, die 2005 von Erika Krejci ins Leben gerufen wurde, um sich intensiv mit der Lektüre von Bions Werken zu beschäftigen. Sie hatte den Gedanken eines Containers, der allmählich von Denken Bions erfüllt wird und ihn sich zu eigen macht. Das geht mit einem Lern- und Wachstumsprozess einher. Der Inhalt des Containers lässt sich nicht eins zu eins weitergeben, es erfordert einen inneren Prozess des Suchens, der Unsicherheit und des Nichtwissens. Dieser ist vergleichbar mit dem, was Bion seinen Lesern immer wieder zumutet, eine nicht nur sperrige Leseerfahrung, sondern eine ständige Auseinandersetzung mit Unlustgefühlen, die die »negative capability« des Lesers auf die Probe stellt.
Als sich die Gruppe mit Bions Transformationen beschäftigte, zwei Jahre waren dafür vorgesehen, hatten wir zu einem unserer Arbeitstreffen Herrmann Beland zu Gast. Neben vielen wertvollen Anregungen gab er den Anstoß, die Ergebnisse dieser Arbeit zu veröffentlichen. Die Frage, ob Sekundärliteratur so sinnvoll ist, wo Bion immer wieder und vielleicht besonders in den Transformationen eine spezifische Leseerfahrung beabsichtigt, um sich der Erfahrung eines radikal Neuen zu stellen, trieb uns um. Nicht zuletzt bewegte uns die Frage, ob wir Bions gedankliche Tiefe und Komplexität erfasst haben. In gewisser Hinsicht kann diese Frage mit einem einfachen »Nein« beantwortet werden. Andererseits kann hier vielleicht der Gedanke an die Sprache des Vollbringens helfen. Die Auseinandersetzung mit Bions Texten und der Versuch, diese Erfahrung in eigenen Worten zu gestalten, schafft einen Kompromiss zwischen den Ohnmachtsgefühlen des Nichtwissens und der Gewissheit eines errungenen Worts und regt zum weiteren Fragen, Suchen und Verstehen und erneutem Nichtwissen an und ist auf diese Weise einem Wachstum förderlich. Diese Transformationsprozesse in eine jeweils eigene Sprache sind sehr individuell und können gerade durch ihre Verschiedenheit die Reichhaltigkeit von Bions Gedanken, jeweils von einem anderen Vertex aus gesehen, reflektieren. Der Wunsch, dass eine einfache Lesehilfe entstehen könnte, in der sich alles zu einem Ganzen webt, wird sich wohl nicht erfüllen, aber das geistige Band des Containers kann sichtbar werden und im besten Falle neugierig machen auf das Lesen von Bions Gedanken im Original.

 


 

 
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